Wohnungsabgabe & Reinigung

Backofen reinigen für Wohnungsabgabe: Profi-Tipps

Sparkling clean empty Swiss kitchen

Backofen reinigen für die Wohnungsabgabe: Der ultimative Leitfaden

Die Übergabe Ihrer Mietwohnung ist ein entscheidender Moment. Während viele Mieterinnen und Mieter Fussböden und Fenster im Blick haben, ist es oft der Backofen, der zum Stolperstein wird. Die Rückgabebedingung «besenrein» wird hier besonders streng ausgelegt: Fett und eingebrannte Speisereste gelten nicht als normale Abnutzung, sondern als übermässige Verschmutzung. Ein makellos sauberer Backofen ist daher nicht nur eine Frage des guten Eindrucks, sondern eine rechtliche und finanzielle Notwendigkeit, um kostspielige Abzüge von der Kaution zu vermeiden. Dieser Leitfaden bietet Ihnen profunde juristische Einordnung, praktische Profi-Tipps und eine klare Kostenübersicht.

Rechtlicher Rahmen: Was sagt das Gesetz?

Massgebend ist das Schweizer Obligationenrecht (OR). Gemäss Art. 257c OR hat der Mieter die Mietsache am Ende des Mietverhältnisses in einem vertragsgemässen Zustand zurückzugeben, wobei die durch den vertragsgemässen Gebrauch herbeigeführte Abnutzung zu tragen ist. Der berühmte Begriff «besenrein» ist gesetzlich nicht definiert, wird in der Praxis und Rechtsprechung jedoch klar interpretiert.

Der Backofen muss in einem Zustand übergeben werden, der einer «ordentlichen und reinlichen» Nutzung entspricht. Eingebranntes Fett, verkrustete Grillstäbe und verkohlte Reste auf dem Boden fallen nicht unter die normale Abnutzung. Sie stellen eine über das übliche Mass hinausgehende Verschmutzung dar, die der Mieter zu beseitigen hat. Unterlässt er dies, kann der Vermieter die Reinigungskosten von der Mietkaution abziehen (gestützt auf Art. 257e OR).

Die Gerichte bestätigen regelmässig, dass die Reinigung des Backofens zur ordentlichen Rückgabe gehört. Ein pauschaler Abzug der Kaution für eine «Endreinigung» durch den Vermieter ist nur zulässig, wenn diese im Mietvertrag explizit vereinbart wurde (Art. 257e Abs. 2 OR). Ansonsten muss der Vermieter konkret nachweisen, dass der Zustand nicht den vertragsgemässen Rückgabebedingungen entspricht. Ein schmutziger Backofen ist hier der klassische Beweis. Weitere Informationen zu Mieterrechten und -pflichten finden Sie auf dem offiziellen Portal ch.ch.

Kalkulationsbeispiel: Was kann ein schmutziger Backofen kosten?

Nehmen wir an, Sie übergeben Ihre Wohnung in Zürich. Der Backofen ist stark verschmutzt mit eingebrannten Fettspritzern und verkrustetem Boden. Der Vermieter beauftragt eine Reinigungsfirma.

  • Arbeitsaufwand: Bei starker Verschmutzung rechnet die Firma mit 1.5 bis 2 Stunden Arbeit.
  • Stundensatz: In städtischen Gebieten liegen die Stundensätze für Reinigungspersonal bei 80 bis 120 CHF.
  • Materialkosten: Spezielle Ofenreiniger und Werkzeuge: ca. 20-30 CHF.
  • Pauschalangebot: Viele Firmen bieten Ofenreinigung pauschal an.

Kosten für den Vermieter (und damit Ihren potenziellen Kautionabzug): 150 – 250 CHF. Dazu kommen oft noch eine Bearbeitungsgebühr des Verwalters (ca. 50-100 CHF). Eine Nachreinigung kann Sie so schnell 200-350 CHF kosten – Geld, das sich mit der richtigen Vorbereitung leicht sparen lässt.

Profi-Checkliste: So wird Ihr Backofen übergabetauglich

  • Vorbereitung: Ofen vorheizen (ca. 70°C), dann ausschalten und öffnen. Warmes Fett löst sich leichter. Legen Sie Zeitungspapier um den Ofen, um Spritzer aufzufangen.
  • Innenreinigung:
    • Selbstgemischte Paste: Backpulver oder Natron mit Wasser zu einer Paste verrühren, grosszügig auf alle Innenflächen (ausser Heizelemente!) auftragen und über Nacht einwirken lassen. Mit einem Schwamm und warmem Wasser abwischen.
    • Profireiniger: Speziellen Ofenreiniger (z.B. mit NaOH) gemäss Anwendungshinweis verwenden. ACHTUNG: Immer Handschuhe und gute Lüftung sicherstellen! Nach der Einwirkzeit gründlich mit klarem Wasser nachwischen, um chemische Rückstände zu entfernen.
    • Boden und Decke: Besonders hartnäckige Krusten auf dem Ofenboden können mit einem Ceranfeld-Schaber vorsichtig abgelöst werden.
  • Zubehör: Backbleche, Rost und Grillstäbe in der Badewanne oder einer grossen Wanne mit heissem Wasser, Spülmittel und etwas Essig einweichen lassen. Starke Verschmutzungen mit Scheuermilch oder einem Edelstahlschwamm bearbeiten.
  • Türe: Die Ofentüre innen und aussen reinigen. Vergessen Sie nicht die Gummidichtungen an den Rändern. Die Türe ist oft abnehmbar – prüfen Sie die Anleitung.
  • Abschlusskontrolle: Nach dem «Feuchtreinigen» den Ofen für 15-20 Minuten auf 50-100°C erwärmen, um Restfeuchtigkeit zu verdunsten. Danach mit einem weissen Papiertuch über alle Flächen wischen – es sollte keine Graufärbung mehr geben.

Kostenvergleichstabelle (in CHF)

Massnahme Kosten (Material) Zeitaufwand Effektivität
Selbstreinigung (Hausmittel) 5 – 10 2-3 Stunden (inkl. Einwirkzeit) Hoch bei regelmässiger Pflege, mittel bei starken Verschmutzungen
Selbstreinigung (Profireiniger) 15 – 25 1-2 Stunden Sehr hoch, aggressive Chemie
Profireinigung durch Fachfirma 120 – 250 (pauschal) Firma: 1-2h, Sie: 0h Sehr hoch, mit Garantie
Kosten bei Nichtreinigung (Abzug Kaution) 200 – 350+ Sehr teuer, plus administrativer Aufwand

Häufige Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten

  • Scheuermittel im Inneren: Verwenden Sie keine Stahlwolle oder groben Scheuerschwämme im Ofeninneren. Dies zerkratzt die spezielle Emaillebeschichtung irreparabel, was als Sachbeschädigung gewertet werden kann.
  • Chemische Rückstände: Ofenreiniger nicht gründlich genug abzuwischen, ist ein häufiger Grund für Beanstandungen. Die Rückstände können bei der nächsten Benutzung giftige Dämpfe abgeben.
  • Vergessenes Zubehör: Auch der Drehspiess, dessen Halterung und die Schienen, in denen die Roste laufen, müssen gereinigt werden.
  • Heizelemente: Die Heizelemente (oben und unten) niemals direkt mit Reiniger besprühen oder abreiben. Sie werden nur abgekühlt mit einem trockenen Tuch abgestaubt.
  • Zu kurze Planung: Eine gründliche Ofenreinigung braucht Zeit für Einwirkung und Nachkontrolle. Beginnen Sie mindestens eine Woche vor der Übergabe.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Muss der Backofen wirklich blitzblank sein?

Ja. Massstab ist der Zustand bei Übergabe. Leichte, gleichmässige Patina durch langjährige Nutzung ist normale Abnutzung. Sichtbare, lokalisierte Verschmutzungen (Spritzer, Krusten) sind es nicht. Der Prüfer wird oft mit einem weissen Tuch über Flächen wischen.

Reicht die Pyrolyse-Funktion meines Ofens aus?

Die Pyrolyse verbrennt organische Rückstände zu Asche. Diese Asche muss jedoch anschliessend vollständig entfernt werden. Zudem schmilzt verschüttetes Fett oft nur und verteilt sich. Eine manuelle Nachreinigung ist nach der Pyrolyse fast immer nötig.

Cleaning supplies detail shot
Backofen reinigen für Wohnungsabgabe: Profi-Tipps

Kann der Vermieter eine professionelle Reinigung verlangen?

Nein, er kann nicht vorschreiben, wie Sie reinigen. Er kann aber das Resultat fordern. Wenn Ihre Selbstreinigung nicht zum vertragsgemässen Zustand führt, darf er eine Nachreinigung auf Ihre Kosten veranlassen.

Was ist mit Dampfbacköfen oder Mikrowellen mit Backfunktion?

Das gleiche Prinzip gilt für alle eingebauten Kochgeräte, die mitgeliefert wurden. Auch Dampfbacköfen müssen entkalkt und von Fettresten befreit sein. Prüfen Sie die Herstelleranleitung für geeignete Reinigungsmethoden.

Was tun, wenn der Ofen schon beim Einzug schmutzig war?

Dies muss im Übergabeprotokoll bei Einzug dokumentiert sein. Haben Sie Fotos oder eine schriftliche Festhaltung, können Sie nicht für diese Altlasten haftbar gemacht werden. Ohne Protokollnachweis wird es schwierig.

Fazit: Die Investition von ein paar Stunden Zeit und wenigen Franken in Reinigungsmittel spart bei der Wohnungsabgabe leicht das Zehnfache. Ein sauberer Backofen ist der deutlichste Beweis für einen sorgfältigen Mietgebrauch und ebnet den Weg für eine unkomplizierte und vollständige Rückzahlung Ihrer Mietkaution.

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