Umzugsfirma Trinkgeld: Wie viel ist üblich?
Umzugsfirma Trinkgeld: Wie viel ist üblich in der Schweiz?
Ein Umzug ist eine logistische und oft auch emotionale Herausforderung. Die Zügelmänner, die an diesem stressigen Tag die schwere körperliche Arbeit leisten, sind dabei ein entscheidender Faktor für einen reibungslosen Ablauf. Viele Kunden fragen sich daher: Sollte man den Zügelmännern Trinkgeld geben und wenn ja, wie viel ist angemessen? In der Schweiz ist Trinkgeld, auch als «Douceur» oder «Tip» bekannt, keine rechtliche Verpflichtung, sondern eine freiwillige Anerkennung für ausserordentlichen Service, besondere Sorgfalt oder überdurchschnittlichen Einsatz. Dieser Artikel gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über die Gepflogenheiten, rechtlichen Rahmenbedingungen und praktischen Richtwerte.
Rechtlicher Kontext: Trinkgeld und Arbeitsrecht
Grundsaetzlich sind die Kosten fuer die Arbeitsleistung der Zügelmänner im vom Kunden unterzeichneten Umzugsvertrag und im darauf basierenden Kostenvoranschlag enthalten. Das Trinkgeld ist eine zusaetzliche, freiwillige Leistung des Kunden und kein Bestandteil des Lohns der Angestellten. Es handelt sich um eine direkte Zuwendung an die Mannschaft.
Aus arbeitsrechtlicher Sicht ist das Trinkgeld eine Gratifikation. Gemäss Schweizer Obligationenrecht (OR) ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer alles, was er aus dem Dienstverhaeltnis oder waehrend der Dauer desselben von Dritten als Trinkgeld oder aus einem aehnlichen Anlass erhaelt, herauszugeben (vgl. Art. 323 OR). In der Praxis bedeutet dies: Wenn der Kunde das Trinkgeld an den Chef oder die Firma zahlt, muss dieser es vollstaendig an die beteiligten Mitarbeiter weitergeben. Die uebliche und transparente Methode ist daher, das Trinkgeld am Ende des Umzugstags direkt der Umzugsmannschaft in bar zu uebergeben.
Wichtig: Das Trinkgeld ersetzt keinen korrekten Lohn. Eine serioese Umzugsfirma zahlt ihren Angestellten einen ortsueblichen, angemessenen Lohn. Das Trinkgeld ist eine zusaetzliche Wertschaetzung.
Berechnungsbeispiel: Vom Richtwert zum konkreten Betrag
Wie findet man einen angemessenen Betrag? Ein ueblicher Richtwert in der Schweiz sind 10-20 CHF pro Person und Stunde effektiver Arbeitszeit am Umzugstag. Die Berechnung kann wie folgt aussehen:
- Umzugsdauer: 8 Stunden (von 08:00 bis 17:00 mit einer Stunde Pause)
- Mannschaftsstaerke: 3 Zügelmänner
- Leistung: Sehr gut – die Mannschaft war auserordentlich sorgfaeltig, effizient und freundlich.
Berechnung: 3 Personen * 8 Stunden * 15 CHF (Mittelwert) = 360 CHF Gesamttrinkgeld.
Verteilung: Das ergibt 120 CHF pro Zügelmann. Sie koennen den Betrag von 360 CHF in einem Umschlag der Crew uebergeben oder jedem Mitarbeiter direkt 120 CHF.
Faktoren, die das Trinkgeld erhoehen koennen: Besonders schwere oder sperrige Moebel (z.B. Grand Piano, Safe), viele Treppen (ohne Aufzug), schwierige Wetterbedingungen oder das Einraeumen von Moebeln in einen Lagerraum. Faktoren, die das Trinkgeld reduzieren koennen: Unfreundliches Auftreten, nachlaessiger Umgang mit dem Inventar, deutliche Verzoegerungen ohne erklaerbaren Grund.
Checkliste: Wann und wie Sie Trinkgeld geben sollten
- Timing: Geben Sie das Trinkgeld am Ende des Arbeitseinsatzes, nachdem die letzte Kiste abgeladen und Sie einen finalen Rundgang gemacht haben.
- Form: Bargeld (CHF) ist der Standard. Halten Sie es in einem Umschlag bereit oder geben Sie es direkt.
- Kommunikation: Ein persoenliches Dankeschoen an die gesamte Mannschaft gehoert dazu. Sie koennen sagen: «Vielen Dank fuer die tolle Arbeit heute, das hat mir sehr geholfen. Das hier ist fuer euch als kleines Dankeschoen.»
- Alternative: Neben Bargeld ist auch die Offerte von Getraenken (kalte Softdrinks, Bier am Ende des Tages) und einer warmen Mahlzeit (z.B. Pizza) sehr geschaetzt und kann teilweise das Bargeld-Trinkgeld ergaenzen.
- Kein Trinkgeld? Wenn Sie mit der Leistung unzufrieden sind, sind Sie nicht verpflichtet, Trinkgeld zu geben. In einem solchen Fall ist es angebracht, das Gespraech mit dem verantwortlichen Teamleiter oder der Firmenleitung zu suchen.
Kostentabelle: Richtwerte für Trinkgeld in der Schweiz (in CHF)
| Umzugsgroesse / Dauer | Mannschaft (Personen) | Trinkgeld-Richtwert (gesamt) | Trinkgeld pro Person (ca.) | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Klein (Studio, 3-5h) | 2 | 60 – 150 CHF | 30 – 75 CHF | Fuer einen schnellen, unkomplizierten Umzug. |
| Mittel (3.5-ZWh, 6-8h) | 3 | 180 – 360 CHF | 60 – 120 CHF | Standardumzug, hier gelten die Stundensaetze am ehesten. |
| Gross (Villa, 8-10h+) | 4+ | 400 – 700 CHF+ | 100 – 175 CHF+ | Bei sehr langen Einsaetzen oder extrem viel/ schwerem Gut. |
| Extras (pro Item/Service) | – | 20 – 50 CHF | – | Fuer besondere Leistungen wie Piano-Transport, viele Treppen, sorgfaeltiges Auspacken. |
Haeufige Fehler und Missverstaendnisse
- Trinkgeld in den Vertrag einrechnen: Serioese Firmen werden Trinkgeld nie im Voranschlag auffuehren oder einfordern. Es bleibt immer Ihre Entscheidung.
- An die falsche Person geben: Vermeiden Sie, das Trinkgeld nur dem Teamleiter zu geben mit der Bitte, es zu verteilen. Geben Sie es idealerweise in Anwesenheit der ganzen Crew.
- Zu frueh geben: Geben Sie das Trinkgeld nicht zu Beginn des Umzugs, da dann der Anreiz fuer sorgfaeltiges Arbeiten verloren gehen kann.
- Unrealistische Erwartungen der Crew: Die Mannschaft sollte nie automatisch von einem hohen Trinkgeld ausgehen. Die Grundhaltung muss professioneller Service sein.
- Trinkgeld als Pflicht sehen: Bei schlechtem Service ist kein Trinkgeld angebracht. Ihre Zufriedenheit ist das Hauptziel der bezahlten Dienstleistung.
Haeufig gestellte Fragen (FAQ)
Soll ich auch dem Fahrer/Teamleiter extra Trinkgeld geben?
Nein, das Gesamttrinkgeld ist fuer die gesamte Mannschaft gedacht. Der Teamleiter erhaelt in der Regel einen gleichen Anteil. Sie muessen nicht separat rechnen.

Was ist, wenn ich mit Karte zahle? Kann ich Trinkgeld aufschlagen?
Technisch oft moeglich, aber nicht empfehlenswert. Bei Kartenzahlung geht das Trinkgeld an die Firma und muss dann intern weiterverteilt werden. Bar ist direkter, transparenter und wird bevorzugt.
Ist ein Getraenk oder Essen auch in Ordnung?
Ja, die Bereitstellung von Wasser, Kaffee, Softdrinks und insbesondere einer Mittagsverpflegung (z.B. Pizza) ist eine sehr geschaetzte Geste und zeigt Wertschaetzung. Es ersetzt aber oft nicht vollstaendig ein angemessenes Barkapital am Ende des Tages.
Wie verhaelt es sich bei internationalen Umzuegen?
Bei grenzueberschreitenden Umzuegen ist die Gepflogenheit des Bestimmungslandes massgebend. In vielen europaeischen Laendern ist Trinkgeld ebenfalls ueblich. Fragen Sie im Zweifel den Umzugsleiter vorab diskret nach der lokalen Praxis.
Kann ich das Trinkgeld von den Umzugskosten steuerlich absetzen?
Nein, Trinkgelder sind private, freiwillige Zuwendungen und keine betriebsnotwendigen Kosten. Sie sind nicht abzugsfaehig.
Fazit: Trinkgeld fuer Zügelmänner ist in der Schweiz eine etablierte und geschaetzte Tradition, um Dankbarkeit fuer einen anstrengenden Job auszudruecken. Ein Richtwert von 10-20 CHF pro Stunde und Person bietet eine gute Orientierung. Entscheidend ist jedoch Ihre persoenliche Zufriedenheit mit der Leistung. Kombinieren Sie eine barrierefreie Kommunikation, klare Anweisungen und eine wertschaetzende Haltung waehrend des Umzugs mit einer angemessenen finanziellen Anerkennung am Ende – so sorgen Sie fuer eine positive Atmosphaere und belohnen echten Einsatz.